Eine Sonnenfinsternis ist für mich viel mehr, als einfach nur auf ein kosmisches Schauspiel zu warten.
Zu wissen, dass etwas existiert, obwohl du es mit deinen Augen nicht sehen kannst – und dass es trotzdem auf alles eine Wirkung hat. Ist sein Licht zu stark, siehst du es gerade deshalb nicht. Wird es von etwas verdeckt, siehst du es deswegen nicht.
Der Mond verdeckt die Sonne.
Mehr geschieht vor unseren Augen nicht.
Existiert sie deshalb nicht mehr? Hört sie auf zu sein? Verliert sie ihre Kraft?
Sie hört nicht auf zu existieren, nur weil sich ein Schatten zwischen uns und sie schiebt.
Das geht weit über eine Sonnenfinsternis hinaus.
Unser Verstand verdeckt den Geist.
Auch das geschieht.
Was nicht sichtbar ist, kann trotzdem existieren. Wirken. Einfluss haben.
Ein bedeutender Teil unseres Lebens wird von Kräften bewegt, die wir nicht sehen können. Die Schwerkraft sehen wir nicht. Ein Magnetfeld sehen wir auch nicht. Unsere eigenen Gedanken können wir ebenfalls nicht auf den Tisch legen. Auch die Liebe hat keine Form. Und trotzdem wäre es ziemlich schwer zu behaupten, dass nichts davon eine Wirkung hat.
Oder gibt es etwa keine Liebe?
Wann wenden wir uns dem zu, was wir sonst nicht sehen?
Erst dann, wenn ein so großer Schatten darauf fällt, dass uns plötzlich auffällt, dass es fehlt?
Vielleicht machen wir es mit uns selbst genauso.
Die Sonne scheint auf uns, und es ist selbstverständlich, dass sie da ist. Manchmal beschweren wir uns sogar darüber, wann, wie viel und wo sie scheinen sollte. Denn wir wissen schließlich alles
(besser)....
Wenn ein Verlust kommt, ein Zusammenbruch, eine Krankheit, eine Trennung oder eine Lebenssituation, in der unsere gewohnte Welt für einige Augenblicke oder sogar für Jahre dunkel wird, beginnen wir plötzlich, nach dem Licht zu suchen – nach dem, was hinter dem Sichtbaren liegt.
Wer bist du? Warum bist du hier? Was ist der Sinn des Lebens? Wer oder was lenkt es? Was bleibt, wenn das verschwindet, was bis dahin selbstverständlich war, worauf du dein Leben aufgebaut hast? Wer bist du ohne all das?
Wie dunkel muss es werden, damit du endlich zu sehen beginnst und das wertschätzt, zu dem du erst aufblickst, wenn es im Schatten liegt?
Irgendwann schließt sich jeder Kreis.
Wie der Ring der Sonne.
Dafür musst du nicht auf eine totale (Sonnen-)Finsternis warten.
Dajbukát Ildikó
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