(Alles kommt zu seiner Zeit an die Oberfläche)
Im Garten senkt das Schneeglöckchen bereits seinen Kopf.
Lange hat es den nahenden Frühling angekündigt. Es hat den braunen Boden – gefroren zu einer grauen, stumpfen Masse und harten Schollen – aus seinem nebligen Schlaf geweckt, um sich nach getaner Arbeit still zu verabschieden. Es kennt die Ordnung der Natur und lässt auch jene erblühen, die nach ihm kommen.
Alles kommt zu seiner Zeit aus der Tiefe hervor.
So ist es auch in unserem Leben.
Manchmal sind wir die Schneeglöckchen.
Wir tauchen zwischen den verhärteten Schichten auf, tun das, wofür wir gekommen sind, und mit unserer Präsenz zeigen wir: Veränderung steht bevor. Wir bleiben nicht länger als nötig und halten uns nicht am ersten Rollenbild fest. Wir spüren, wann die Zeit des Weitergehens gekommen ist.
Und manchmal sind wir noch die Erde.
Still, unbeweglich, schwer. Von außen scheint nichts zu geschehen, doch im Inneren arbeitet das Leben bereits. Tief in den unsichtbaren Schichten bereitet sich etwas vor, das eines Tages die Oberfläche durchbrechen wird.
Die Natur eilt nie und bleibt nie zurück.
Sie vergleicht nicht und stellt keine Forderungen. Sie lässt einfach zu, dass das, was reif geworden ist, an die Oberfläche tritt.
Manchmal geschieht das ganz leise, wie wenn das Eis nachgibt und die Erde plötzlich wieder ihren Duft hat.
Manchmal kommt es plötzlich:
Ein stärkerer Wind bricht die trockenen Äste, ein kräftiger Regen wäscht den Staub fort, der lange getragen wurde, und das Wasser, das über sein Ufer tritt, zeichnet sich einen neuen Weg.
Nichts bleibt bestehen, nur weil es lange so gewesen ist.
Nicht um etwas wegzunehmen –
sondern um Raum zu schaffen für das, was leben will.
So ist es auch in uns.
Manche Veränderungen sind kaum wahrnehmbar, andere ordnen innerhalb eines einzigen Tages alles neu und nehmen mit sich, was wir für endgültig gehalten haben.
Doch was wirklich zu uns gehört, verschwindet nicht.
Es bleibt – nur in einer anderen Form.
Vielleicht ist genau das unsere Aufgabe:
Zu wissen, dass das, was sich jetzt verabschiedet, nicht vergebens war.
Und dass das, was jetzt geboren wird, nicht zu spät gekommen ist.
Jetzt ist die Zeit.
~ Ildikó Dajbukát
Spirit Touch Healing