(Um dich daran zu erinnern, wer du bist, musst du zuerst sehen, was aus dir geworden ist.)
Wie viel Hass, Neid und unterdrückte Dunkelheit muss in einem Menschen wohnen, der den in sich gespeicherten Groll — nach außen sorgfältig verborgen oder im vertrauten Kreis offen gezeigt — dazu benutzt, einen anderen Menschen zu demütigen?
Und wie viele sitzen schweigend daneben?
Sie hören zu. Sie schweigen.
Sie stimmen zu. Sie nicken.
Sie entschuldigen es. Sie „verteidigen“ es.
Denn ihrer Meinung nach hat das Opfer es provoziert.
Doch oft geht es hier längst nicht mehr nur um einen Konflikt zwischen zwei Menschen.
Sondern um eine ganze Gruppendynamik.
Um Schweigen.
Um psychologische Vernebelung und Manipulation.
Um das Verschieben moralischer Verantwortung.
Hier beginnt das Umschreiben der Geschichte.
Das Beschönigen.
Das Relativieren.
Das Verwischen von Verantwortung.
Das Abspalten von „Freunden“ wird zur strategischen Waffe.
Die Isolation des Opfers.
Unsichtbare Mauern entstehen, während die Gruppe sich gegenseitig bestärkt, stärkt und lobt.
Denn Täter fühlen sich oft erst dann wirklich mächtig, wenn sie ein Publikum haben.
Und wenn verbale Erniedrigung allein nicht mehr ausreicht, beginnt die geplante Ausgrenzung.
Abgewandte Blicke.
Ablehnung.
Das Schauspiel gemeinsamer Empörung.
Und manchmal erscheint auch eine scheinbar freundliche und mitfühlende Frau auf der Bühne.
Jemand, der verletzten Stolz oder inneren Schmerz hinter einer Retterrolle verbirgt.
Sie singt Lobeshymnen auf Menschen, die sie später ebenso benutzt, um eigene reale oder eingebildete Verletzungen zu lindern oder materielle Vorteile zu erlangen.
Mit Geschenken, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit schmeichelt sie sich in den Kreis hinein — und wird dabei unbemerkt selbst zu einer Mitlenkerin derselben Dynamik.
Dann folgt die Verharmlosung.
„Es ist doch nichts passiert.“
„Du übertreibst.“
„Er oder sie hat es verdient.“
Doch so etwas darf man niemandem antun.
Jedes Wort hat Gewicht.
Loyalität zum Täter zeigen oft jene, die derselbe Hass, dieselbe Arroganz, Rachsucht oder Minderwertigkeit verbindet.
Aber auch Menschen, die selbst einmal Opfer waren — und sich nun lieber auf die Seite der Macht stellen, statt dem eigenen Schmerz zu begegnen.
Das Gefährlichste an kollektiver Gewalt ist, dass sie von außen oft menschlich, verbunden und sogar liebevoll wirkt.
Während gleichzeitig versucht wird, einen Menschen langsam auszulöschen.
Doch eines Tages endet es.
Jemand spricht aus: Das ist Gewalt.
Jemand nennt endlich das beim Namen, was alle verwischen und verbergen wollten.
Was geschehen ist.
Wer was getan hat.
Und wer schweigend zusah und mitwirkte.
Es ist Zeit, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen.
Sich den unverarbeiteten Traumata zu stellen.
Denn es gibt kein Interesse, keine Ideologie und keine Seite, die das moralische Recht gibt, einen Menschen zu erniedrigen.
Werden wir endlich lernen, ohne Machtkämpfe und Zerstörung miteinander und füreinander zu leben?
Denn was wir einem anderen Menschen antun, beeinflusst letztlich uns alle.
Nichts bleibt für immer verborgen oder unausgeglichen.
Mit Liebe,
Ildikó Dajbukát
spiritenergy.hu